Bericht aus der Zeitschrift “Funkamateur”
Samstag, 16. Mai 2009 22:04
Bericht unserer Ballonmission ILLINGEN 1 aus dem “Funkamateur” Ausg. 12/2003
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Ballonmission des OV Illingen
Für den 1.11.03 hatten wir uns den Start eines Stratosphärenballons mit Arnateurfunknutzlast vorgenommen. Mit Unterstützung durch den AATiS wollten wir eine GPS-Bake und auch einen ATV-Sender in Höhen über 30 km schicken. Der Wettergott meinte es gut mit uns - am Morgen hatten sich die Wolken über Nacht ausgeregnet und wir konnten ohne Regenschirm wie geplant mit den Vorbereitungen um 8 Uhr beginnen. Als Startort hatten wir unser OV-Gelände bei Marpingen (JN39NK) ausgewählt und bei 8 °C Lufttemperatur, 83 % relativer Feuchte, 8/8 Bewölkung und leichtem Wind aus Südwest begannen wir für alle Fälle mit dem Aufbau eines Partyzeltes zum Schutz der Ballonhülle (Vereisungsgefahr bei nasser Ballonhülle mit vorzeitigem Platzen in niedriger Höhe).
18 angemeldete Teilnehmer waren vor Ort und weitere 25 Gäste sowie Vertreter der Presse hatten sich eingefunden, um das Geschehen zu beobachten.
Der Start war für 10 Uhr geplant. Erfahrungsgemäß nimmt die Befüllung der Ballonhülle 20 min in Anspruch, sodass wir unmittelbar nach Eintreffen des AATiS- Teams mit der Ausrüstung (Ballonhülle, Reserveballon, Fallschirm und Radarreflektor) gegen 9.30 Uhr die Teams für die Helium-Gasflasche und die Vorbereitung des Nutzlastgespanns einteilten. Die Arbeiten wurden parallel durchgeführt, um so die Zeit optimal zu nutzen. Wie sich schnell herausstellte, hatten wir einen ungeeigneten Druckminderer an der Gasflasche montiert - die Befüllung der Ballonhülle zog sich unangenehm in die Länge. Nach einer Startverschiebung auf 10.15 Uhr wurde ein weiterer Anruf bei der Flugsicherung notwendig, welcher die Startverzögerung in Aussicht stellte. Schließlich starteten wir den Ballon mit sparsamer Heliumbefüllung, um eine weitere Verschiebung zu vermeiden.
Alle anderen Systeme standen seit Längerem bereit und funktionierten wie vorgesehen, sodass wir das komplette Gespann auf der Wiese auslegten und um 10.35 Uhr in den Himmel aufsteigen ließen. Innerhalb kurzer Zeit verschwand das Gespann in den niedrigen Wolken und war danach nur über Funk zu verfolgen. Wie nicht anders zu erwarten, stieg der Ballon sehr gemächlich mit 130 m/min auf und nicht mit den sonst gewohnten 300 m/min. Dies versprach ein ziemlich langer Flug zu werden und es war ungewiss, ob die 30 km Gipfelhöhe erreicht werden konnten. Die ATV-Bilder waren hervorragend und gaben uns einen herrlichen Blick auf die geschlossene, sonnenbeschieneneW olkendecke von oben. Der ATV-Sender wurde uns von Henning, DF9IC, leihweise zur Verfügung gestellt; für die Stationskennung baute Josef, DK7VK, einen Videotextencoder, wie er vor Jahren im FUNKAMATEUR veröffentlicht wurde.
Der Empfang der Bilder gelang bis über den Taunus hinweg, wo durch die aufgerissene Wolkendecke kurz zuvor der Rhein zu bewundern war. Über dem Flugverkehrsknotenpunkt nahe Frankfurt (Funkfeuer Rüdesheim) hatten wir zum Glück bereits eine Höhe von über 11 km erreicht. Wenig später fiel das Kamerasystem aus, und nach ein paar Minuten mit Träger und Rufzeichenanzeige stellte auch der ATV-Sender ihren Dienst ein, denn die Batterien waren nach über zwei Stunden Dauerbetrieb leer.
Unmittelbar nach dem Start machten sich die drei Verfolgerteams auf den Weg: Wolfgang, DDIWKS, mit Tochter Stefanie, Frank, DL4VCG, mit Leif, DJ0XR, und Joachim, DK5VP mit Horst, DF1VU. In der Gegend von Bad Kreuznach wurde erkennbar, dass durch die niedrige Steigrate ein langer Flug mit entsprechender Entfernung bevorstand und die Teams brachen nach Rücksprache mit der Leitstation DLOOI in Marpingen die Verfolgung ab.
Es war auch absehbar, dass ein weiteres Verfolgerteam jenseits der Rheins nicht mehr einzuholen war. Dort lauerten nämlich seit Startbeginn Toni Waldner, DF8UZ, und Josef, DG8SDR, im Raum Frankfurt/Bad Homburg. Speziell Toni hatte nach dem unschönen Ausgang der letzten “Ballontrauben-Mission” mit dem WDR-”Maus”- Team und aufgrund seiner Erfahrung im Verfolgen der AATiS-Ballone vorgesorgt. Bekanntlich war damals die gesamte Nutzlast noch vor dem Eintreffen des Bergungsteams entwendet worden. Alle Hoffnung lag ab diesem Zeitpunkt auf den beiden Funkamateuren aus dem Süden Deutschlands sowie auf den zahlreichen Beobachtern, die sich im PP-Convers-Netz auf Kanal 55 einfanden.
Der Ballon stieg zu unserer Überraschung stetig weiter, passierte die 30-km-Marke und es wurden am Startplatz Wetten abgeschlossen, ob auch noch die 31 km erreicht würden. Gegen 13.26 Uhr gab es Applaus, als mit 31 068 m der Gipfelpunkt angesagt wurde. Die Freude dauerte nicht lange, denn zu unserem Erschrecken fiel die Bake mitten in der Sprachansage aus! Nicht auszudenken, wie die Verfolger enttäuscht sein würden - nach vielen Kilometern Fahrt stand kein Signal zum Anpeilen mehr zur Verfügung. Wir waren schon beim Sortieren unserer “sieben Sachen”, als aus dem Kontrollcontainer der Ruf kam: “Er sendet wieder!” Fast 20 bange Minuten lang war der Sender verstummt, als um 13.43 Uhr wieder eine GPS-Position und -Höhe angesagt wurden. Die Nutzlast befand sich seit geraumer Zeit am Fallschirm im Sinkflug und nur noch 23 km hoch, das Ganze in der Gegend. um Gießen und die Verfolger zum Glück noch nicht auf dem Heimweg.
Erste Prognosen zum voraussichtlichen Landeort wurden geäußert - Göttingen vermutet, und Ralf, DH9RS, sollte mit Eisenach Recht behalten. Die Nutzlast landete 15.30 Uhr, nach rekordverdächtigen fünf Stunden Flug, östlich von Eisenach. Toni und Josef gelang es, die Telemetriebox zusammen mit Radarreflektor und Fallschirm zu bergen. Es machten sich spontan auch andere Funkamateure aus der Umgebung von Eisenach auf die Suche und mindestens ein Suchteam traf auch kurz danach an der Landestelle ein. Die GPS-Box wurde noch eine Weile in Betrieb gelassen, um weiteren Suchern eine vergebliche Mühe zu ersparen.
Die nachträgliche Untersuchung der Telemetriedaten ergab, dass für den Sendeausfall kein Kurzschluss oder Leitungsbruch verantwortlich war. Alles deutet darauf hin, dass kein Zusammenhang mit dem Ballonplatzen bestand, sondern eine Überhitzung des Sendemoduls vorlag. Der anschließende Fall der Telemetriebox sorgte für zusätzlichen “Durchzug”, sodass nach der Abkühlung der Sendebetrieb wieder aufgenommen wurde.
In Marpingen wurde weiter über den Erfolg der Ballonmission diskutiert und die spannenden Augenblicke dieses Experiments analysiert. Die Ballonjäger kamen spät in der Nacht mit der wertvollen Nutzlast zu Hause an. Die Ergebnisse dieser Unternehmung wird der OV IIlingen auf der AMTEC am 30.11. am AATiS-Stand präsentieren. Schauen Sie vorbei und blicken aus 11 km Höhe auf den Rhein bei Bingen!
Thema: ILLINGEN I (01.11.2003) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

