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Gelungener Auslandseinsatz der P56-Nutzlast

Samstag, 16. Mai 2009 23:10

Bericht des P56-Team (http://p56.de/news/?id=1211564431)


Anlässlich eines Tages der offenen Tür und gleichzeitiger Einweihung einer neuen Wetterstation der Meteorologie-AG durch den luxemburgischen Umweltminister an der Ecole Privée Fieldgen, einem privaten Mädchengymnasium, in Luxemburg-Stadt fand am Morgen des 23. Mai 2008 ein Stratosphären-Ballonstart mit Amateurfunk-Nutzlast statt. Das Projekt wurde unterstützt von zwei deutschen Ortsverbänden des DARC e.V. sowie dem Réseau Luxembourgeois des Amateurs d’Ondes Courtes (RL).

Der Start erfolgte auf einem Flachdach im 4. Stock der Schule, mitten in der Stadt und exakt in der Einflugschneise des Luxemburger Flughafens, auf dem ab 10 Uhr reger Flugverkehr beginnt. Aus diesem Grund stand dem Startteam, das hauptsächlich aus Schülerinnen bestand, nur ein sehr enges Zeitfenster zur Verfügung, welches mit dem lux-Airport Findel koordiniert werden musste.

Der unter dem Rufzeichen LX9EPF sendeten Ballon bestand dieses Mal gleich aus zwei Nutzlasten. So stellte der DARC e.V. Ortsverband Illingen Q13 seine bewährte ATV-Nutzlast mit zwei Kameras zur Verfügung, die abwechselnd horizontal oder nach unten filmte und beeindruckende Aufnahmen von Luxemburg machen konnte. Die zweite Nutzlast stellte der DARC e.V. Ortsverband Taubertal-Mitte P56 bereit. Diese übernahm die Aussendungen von Sprache, SSTV, APRS und PR auf diversen Frequenzen im 2m- und 70cm-Band.

Inhalt der Aussendungen von P56 waren Standbilder (SSTV), die der Ballon während der Startphase und des Fluges aufnahm. Weiter wurden per SSTV auch Diagramme von Messwerten, sowie Tracks der zurückgelegten Flugroute ausgesendet. Per APRS und PR kamen auch Informationen über Höhe, Batteriespannung, Druck, Feuchte, Innen- und Außentemperatur etc. hinzu. Viele dieser Infos wurden auch in Phonie ausgegeben. Neu an Bord war ein begrenzter Wortschatz in Luxemburgisch, Französisch und Englisch, der während des Fluges, aber nicht während der Landephase ausgesandt wurde. Außerdem waren zu diesem Start, neben diversen neuen und optimierten Sensoren, auch zwei neue Sender für 2m und 70cm an Bord, die die von einem ebenfalls neu implementierten GPS-Empfänger decodierten Daten in APRS ausgaben.

Um 9:56 Uhr Ortszeit hob der Ballon unter großem Applaus der anwesenden Personen vom Dach des Schulgebäudes ab und machte sich auf den alten P56-Höhenrekord von 2005 anzugreifen. Der Flug führte die Nutzlasten zunächst nach Westen in Richtung Autobahn A6. Nachdem diese in 4500m Höhe überquert war, drehte der Ballon über Helfenterbruck eine Schleife, bevor ihn die ab 6000m vorherrschenden Winde wieder nach Osten in Richtung Startplatz trugen. Anschließend wurde Luxemburg-Stadt ein zweites Mal, nur unweit der Schule, in inzwischen 10 km Höhe überquert. Der Ballon steuerte direkt auf den Flughafen Findel zu, dessen Rollbahnen er in 14,5 km Höhe quer überflog, während die Flugrichtung auf Nordost drehte und so rasch die Autobahn A1 passiert werden konnte. Östlich von Niederanven wechselte der Wind in 20 km Höhe ein weiteres Mal und trieb das Ballongespann fortan nach Nordwest in Richtung Eisenborn, von wo aus es nach Südwesten Richtung Müllendorf weiterging. Zu dieser Zeit strebte der Ballon das Knacken der P56-Höhenrekords von 2005 an, denn auf der Fahrt Richtung Kopstal stieg er auf eine Höhe von 31313 Metern und verfehlte die bisherige Höchstmarke damit nur um etwas mehr als 400 Meter, als er, nach etwa 100 Minuten Flug, platzte und wieder zurück nach Nordosten getragen wurde. Hier befand sich die Nutzlast die ersten etwa 12000 Meter im freien Fall, denn erst unterhalb der Marke von 20km war die Luft wieder dicht genug, damit der Fallschirm seine Wirkung voll entfalten konnte. Als über Lorentzweiler die Winde Richtung Süden wechselten betrug die Höhe über der Erdoberfläche bereits nur noch 6000 Meter. Für die restlichen Höhenmeter genügten dann 15 Minuten, ehe die Nutzlasten in der Nähe von Steinsel und Müllendorf in einem Feld nach 2,5 Stunden wieder den Boden berührten.

Das Interesse der Öffentlichkeit war angesichts des besonderen Ereignisses groß. So fanden sich auch diverse Vertreter von Medien an der Schule ein. Auch für die Verfolgung der Ballonfahrt wurde ein nicht unerheblicher medialer Aufwand betrieben. So wurden am Startplatz die ATV-Sendungen zusammen mit den restlichen Aussendungen empfangen und für einen Video-Live-Stream aufbereitet. Über den Internetauftritt von P56 standen zusätzliche Informationen durch einen Ticker zur Verfügung. Die Flugroute und Messwerte des Ballons wurden sofort grafisch dargestellt. Schließlich wurden alle Aussendungen der Nutzlast von P56 in Echolink eingespielt.

Wer den Start verpasst hat oder einen Start einmal live erleben will, ist sehr herzlich eingeladen am Freitag, den 27. Juni 2008 nach Friedrichshafen zu reisen. Dort wird im Zuge der Lehrerfortbildung des AATiS e.V. der nächste P56 Ballonstart stattfinden. Vielleicht ergibt sich am P56-Messstand auch die eine oder andere Gelegenheit eine interessante Diskussion zu führen.

Weitere Informationen zu diesem und anderen P56 Ballonstarts sind unter www.ballonprojekt.de zu finden.

Thema: LUXEMBURG 2008 (23.05.2008) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

Stratosphären-Ballonstart in Luxemburg am 23. Mai 2008

Samstag, 16. Mai 2009 23:00


Aktuelle Infos

Live-Stream der ATV-Bilder im Internet:

Die Fernsehbilder der ATV-Nutzlast sind als Livestream im Internet abrufbar unter http://158.64.26.135/wetterballon.htm (funktioniert leider nur mit MS Internet Explorer). Der Stream kann jedoch auch direkt unter folgender Adresse mit dem Windows Media Player empfangen werden: mms://158.64.26.135/Wetterballon.


Bericht mit weiterführenden Infos
Ecole Privée Fieldgen

Am Freitag, dem 23. Mai 2008 findet ein Stratosphären-Ballonstart in Luxemburg mit Amateurfunk-Nutzlast statt. Der Start wird mit Schülerinnen der Meteorologie-AG an der „Ecole Privée Fieldgen“ durchgeführt, einer privaten Mädchenschule im Zentrum von Luxemburg-Stadt. Das Projekt wird unterstützt und begleitet von Funkamateuren des DARC e.V. Ortsverband Illingen Q13 in Zusammenarbeit mit dem Team des OV Taubertal-Mitte P56 und dem Réseau Luxembourgeois des Amateurs d’Ondes Courtes. Initiiert wurde das Projekt seitens der Schülerinnen. Der Ballonstart findet aus Anlass der Einweihung der neuen Wetterstation der Meteorologie-AG statt, zudem hat Fieldgen an diesem Tag ihren Tag der offenen Tür. Eine einmalige Möglichkeit, die Faszination Amateurfunk auf internationaler Ebene einem breiten Publikum zu präsentieren.

Da sich die Schule im Zentrum von Luxemburg-Stadt, nur unweit des Hauptbahnhofes, befindet, wird der Start vom begehbaren Flachdach der Schule aus erfolgen, wo auch die Wetterstation der Schule installiert ist. Geplanter Startzeitpunkt ist um 09:45 Uhr. Da das Startfenster mit dem lux-Airport Findel koordiniert werden muss, kann sich der Start um einige Minuten verfrühen bzw. verzögern.

DARC e.V. Ortsverband Taubertal-Mitte P56 Die Amateurfunk-Nutzlast besteht aus einer GPS-Bake mit Sprachausgabe und Datenübertragung per Packet-Radio bzw. APRS. Standbilder einer integrierten Kamera werden per SSTV übertragen. Die Nutzlast wurde entwickelt vom Team des OV P56 und hat sich bei zahlreichen Starts in DL bewährt, zuletzt am 08. März 2008 beim 23. Bundeskongress für Amateurfunk und Telekommunikation an Schulen des AATiS in Goslar.

Zudem wird eine Nutzlast mit Amateurfunkfernsehen dabei sein, welche Live-Bilder im 13cm-Band in ATV aussenden wird. Mit an Bord sind zwei Kameras, die jeweils automatisch auf den Sender geschaltet werden. Diese Nutzlast wurde vom Team des OV Q13 entwickelt und auch schon bei einigen Starts erfolgreich eingesetzt. Bei gutem Wetter sind entsprechend schöne Bilder der luxemburgischen Hauptstadt aus der Ballonperspektive zu erwarten, welche zudem durch die SSTV-Bilder ergänzt werden. Die ATV-Bilder sind zudem als Livestream im Internet abrufbar. Dabei wird auch die Sprachausgabe der GPS-Nutzlast übertragen. Somit müssen auch Funkamateure ohne ATV-Empfangsmöglichkeit nicht auf die Live-Bilder verzichten. Die Adresse lautet: http://158.64.26.135/wetterballon.htm (funktioniert leider nur mit MS Internet Explorer). Der Stream kann jedoch auch direkt unter mms://158.64.26.135/Wetterballon mit dem Windows Media Player geöffnet werden.

Beim Aufstieg des Ballon bis in die Stratosphäre (ca. 30.000 m) werden u.a. folgende meteorologische Daten erfasst und zur Erde gefunkt: Temperatur, Luftdruck, Feuchte und Röntgenstrahlung. Ebenso GPS-Daten, wie die aktuelle Höhe, Flugrichtung, Geschwindigkeit und Beschleunigung als NMEA- und APRS-Pakete.

Der Ballon wird unter dem Rufzeichen LX9EPF auf folgenden Frequenzen senden:

  • 145.200 MHz: GPS-Bake, APRS / Telemetrie, Sprachausgabe und SSTV
  • 433.400 MHz: GPS-Bake, APRS / Telemetrie
  • 144.850 MHz: APRS
  • 2329.000 MHz: ATV (analog / PAL)

Wir bitten alle Funkamateure, uns Empfangsberichte sowie elektronische Mitschriften der Telemetrie- und GPS-Daten zukommen zu lassen. Senden Sie Ihre Logs, empfangenen SSTV-Bilder und ATV-Mitschnitte per E-Mail an rapporte@ballonprojekt.de. Vielen Dank!

Dieser Ballonstart ist ein gutes Beispiel für die, nicht nur überregionale, sondern auch internationale Zusammenarbeit der Funkamateure und möchte dazu beitragen, junge Menschen für die dahinter stehende Technik zu begeistern.

Weitere Informationen finden Sie unter

Pfeil_klein Ecole Privée Fieldgen
Pfeil_klein DARC e.V. Ortsverband Taubertal-Mitte P56
Pfeil_klein Réseau Luxembourgeois des Amateurs d’Ondes Courtes

Thema: LUXEMBURG 2008 (23.05.2008) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

Artikel in einer Lokalzeitung

Samstag, 16. Mai 2009 22:48

Thema: ILLINGEN II (20.05.2004) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

Mission in 26 000m Höhe

Samstag, 16. Mai 2009 22:19

Bericht unserer Ballonmission ILLINGEN 2 aus dem Saar-Rundspruch 20/2004


Start des Stratosphärenballons mit Amateurfunknutzlast Illingen II

Die Jugendlichen (Mädchen und Jungen im alter ab 14 Jahre) des Ortsverbandes Illingen Q13 im Deutschen Amateur-Radio-Club e.V. (DARC) in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule e.V. (AATiS) starteten an Christi Himmelfahrt, dem so genannten Vatertag, am 20. Mai 2004 einen Stratosphärenballon mit Amateurfunknutzlast.

Um 10:00 Uhr Lokalzeit wurde der Ballon vom Clubgelände des OV Illingen Q13, auf dem sagenumwobenen Weinhausköpfchen in Marpingen zu seiner Fahrt in die Stratosphäre entfesselt.
An einem mit Helium gefüllten Wetterballon wurden meteorologische Sonden, ein GPS-Navigationssystem und ein Amateurfunkfernsehsender, die Funkamateure selbst gebaut haben, innerhalb von vier Stunden auf eine Höhe von 26 000 m transportiert, wo der Ballon zerplatzte. Das Gewicht der Nutzlast betrug 845 Gramm. Die Nutzlast gelangte an einem Fallschirm wieder unbeschädigt zum Boden.
Während der gesamten Ballonmission wurden kontinuierlich Daten wie Position, Locator, Flughöhe, Flugrichtung, Geschwindigkeit, Außentemperatur, Innentemperatur, Luftfeuchte, Luftdruck, Batteriespannung, Strom und ein Livebild der eingebauten Kameras via Amateurfunkfernsehen zur Empfangsstation auf das Weinhausköpfchen gefunkt. Abwechselnd wurden Aufnahmen des Ballon und der Erde gezeigt. Glücklicher Weise war gerade die Kamera die den Ballon zeigt eingeschaltet als dieser in 26 000m Höhe platzte, so wurde auf dem Weinhausköpfchen die gesamte Mission miterlebt, aber aus 200km Entfernung. Die ATV Bilder wurden auch in Oldenburg empfangen und zum Teil auch über das dortige ATV-Relais wieder ausgestrahlt.
Die Daten der GPS-Sonde erlaubt fortwährend eine Ortsbestimmung (geographische Koordinaten und Höhe) des Ballon. Die genannten Daten wurden abwechselnd als AX25 Datenprotokoll und als Sprachansage ausgesendet. Das systematische Auffinden und bergen der Nutzlast durch mobile Funkamateure wird durch den Empfang der GPS-Daten erheblich erleichtert.
Wieder einmal konnte Toni Waldner, DF8UZ den Ballon bergen, nur kurze Zeit bevor das saarländische Bergungsteam am Landeplatz eintraf. Der Ballon landete nur 3m neben der Fahrbahn der Autobahn A 3, in der Nähe von Wertheim.

Das Experiment hat das Ziel Jugendlichen moderne Telekommunikations- Verfahren und experimentelles Arbeiten zu vermitteln.

Thema: ILLINGEN II (20.05.2004) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

Bericht aus der Zeitschrift “Funkamateur”

Samstag, 16. Mai 2009 22:04

Bericht unserer Ballonmission ILLINGEN 1 aus dem “Funkamateur” Ausg. 12/2003

Bericht im PDF-Format anzeigen


Ballonmission des OV Illingen

Für den 1.11.03 hatten wir uns den Start eines Stratosphärenballons mit Arnateurfunknutzlast vorgenommen. Mit Unterstützung durch den AATiS wollten wir eine GPS-Bake und auch einen ATV-Sender in Höhen über 30 km schicken. Der Wettergott meinte es gut mit uns - am Morgen hatten sich die Wolken über Nacht ausgeregnet und wir konnten ohne Regenschirm wie geplant mit den Vorbereitungen um 8 Uhr beginnen. Als Startort hatten wir unser OV-Gelände bei Marpingen (JN39NK) ausgewählt und bei 8 °C Lufttemperatur, 83 % relativer Feuchte, 8/8 Bewölkung und leichtem Wind aus Südwest begannen wir für alle Fälle mit dem Aufbau eines Partyzeltes zum Schutz der Ballonhülle (Vereisungsgefahr bei nasser Ballonhülle mit vorzeitigem Platzen in niedriger Höhe).

18 angemeldete Teilnehmer waren vor Ort und weitere 25 Gäste sowie Vertreter der Presse hatten sich eingefunden, um das Geschehen zu beobachten.
Der Start war für 10 Uhr geplant. Erfahrungsgemäß nimmt die Befüllung der Ballonhülle 20 min in Anspruch, sodass wir unmittelbar nach Eintreffen des AATiS- Teams mit der Ausrüstung (Ballonhülle, Reserveballon, Fallschirm und Radarreflektor) gegen 9.30 Uhr die Teams für die Helium-Gasflasche und die Vorbereitung des Nutzlastgespanns einteilten. Die Arbeiten wurden parallel durchgeführt, um so die Zeit optimal zu nutzen. Wie sich schnell herausstellte, hatten wir einen ungeeigneten Druckminderer an der Gasflasche montiert - die Befüllung der Ballonhülle zog sich unangenehm in die Länge. Nach einer Startverschiebung auf 10.15 Uhr wurde ein weiterer Anruf bei der Flugsicherung notwendig, welcher die Startverzögerung in Aussicht stellte. Schließlich starteten wir den Ballon mit sparsamer Heliumbefüllung, um eine weitere Verschiebung zu vermeiden.
Alle anderen Systeme standen seit Längerem bereit und funktionierten wie vorgesehen, sodass wir das komplette Gespann auf der Wiese auslegten und um 10.35 Uhr in den Himmel aufsteigen ließen. Innerhalb kurzer Zeit verschwand das Gespann in den niedrigen Wolken und war danach nur über Funk zu verfolgen. Wie nicht anders zu erwarten, stieg der Ballon sehr gemächlich mit 130 m/min auf und nicht mit den sonst gewohnten 300 m/min. Dies versprach ein ziemlich langer Flug zu werden und es war ungewiss, ob die 30 km Gipfelhöhe erreicht werden konnten. Die ATV-Bilder waren hervorragend und gaben uns einen herrlichen Blick auf die geschlossene, sonnenbeschieneneW olkendecke von oben. Der ATV-Sender wurde uns von Henning, DF9IC, leihweise zur Verfügung gestellt; für die Stationskennung baute Josef, DK7VK, einen Videotextencoder, wie er vor Jahren im FUNKAMATEUR veröffentlicht wurde.
Der Empfang der Bilder gelang bis über den Taunus hinweg, wo durch die aufgerissene Wolkendecke kurz zuvor der Rhein zu bewundern war. Über dem Flugverkehrsknotenpunkt nahe Frankfurt (Funkfeuer Rüdesheim) hatten wir zum Glück bereits eine Höhe von über 11 km erreicht. Wenig später fiel das Kamerasystem aus, und nach ein paar Minuten mit Träger und Rufzeichenanzeige stellte auch der ATV-Sender ihren Dienst ein, denn die Batterien waren nach über zwei Stunden Dauerbetrieb leer.
Unmittelbar nach dem Start machten sich die drei Verfolgerteams auf den Weg: Wolfgang, DDIWKS, mit Tochter Stefanie, Frank, DL4VCG, mit Leif, DJ0XR, und Joachim, DK5VP mit Horst, DF1VU. In der Gegend von Bad Kreuznach wurde erkennbar, dass durch die niedrige Steigrate ein langer Flug mit entsprechender Entfernung bevorstand und die Teams brachen nach Rücksprache mit der Leitstation DLOOI in Marpingen die Verfolgung ab.

Es war auch absehbar, dass ein weiteres Verfolgerteam jenseits der Rheins nicht mehr einzuholen war. Dort lauerten nämlich seit Startbeginn Toni Waldner, DF8UZ, und Josef, DG8SDR, im Raum Frankfurt/Bad Homburg. Speziell Toni hatte nach dem unschönen Ausgang der letzten “Ballontrauben-Mission” mit dem WDR-”Maus”- Team und aufgrund seiner Erfahrung im Verfolgen der AATiS-Ballone vorgesorgt. Bekanntlich war damals die gesamte Nutzlast noch vor dem Eintreffen des Bergungsteams entwendet worden. Alle Hoffnung lag ab diesem Zeitpunkt auf den beiden Funkamateuren aus dem Süden Deutschlands sowie auf den zahlreichen Beobachtern, die sich im PP-Convers-Netz auf Kanal 55 einfanden.
Der Ballon stieg zu unserer Überraschung stetig weiter, passierte die 30-km-Marke und es wurden am Startplatz Wetten abgeschlossen, ob auch noch die 31 km erreicht würden. Gegen 13.26 Uhr gab es Applaus, als mit 31 068 m der Gipfelpunkt angesagt wurde. Die Freude dauerte nicht lange, denn zu unserem Erschrecken fiel die Bake mitten in der Sprachansage aus! Nicht auszudenken, wie die Verfolger enttäuscht sein würden - nach vielen Kilometern Fahrt stand kein Signal zum Anpeilen mehr zur Verfügung. Wir waren schon beim Sortieren unserer “sieben Sachen”, als aus dem Kontrollcontainer der Ruf kam: “Er sendet wieder!” Fast 20 bange Minuten lang war der Sender verstummt, als um 13.43 Uhr wieder eine GPS-Position und -Höhe angesagt wurden. Die Nutzlast befand sich seit geraumer Zeit am Fallschirm im Sinkflug und nur noch 23 km hoch, das Ganze in der Gegend. um Gießen und die Verfolger zum Glück noch nicht auf dem Heimweg.
Erste Prognosen zum voraussichtlichen Landeort wurden geäußert - Göttingen vermutet, und Ralf, DH9RS, sollte mit Eisenach Recht behalten. Die Nutzlast landete 15.30 Uhr, nach rekordverdächtigen fünf Stunden Flug, östlich von Eisenach. Toni und Josef gelang es, die Telemetriebox zusammen mit Radarreflektor und Fallschirm zu bergen. Es machten sich spontan auch andere Funkamateure aus der Umgebung von Eisenach auf die Suche und mindestens ein Suchteam traf auch kurz danach an der Landestelle ein. Die GPS-Box wurde noch eine Weile in Betrieb gelassen, um weiteren Suchern eine vergebliche Mühe zu ersparen.
Die nachträgliche Untersuchung der Telemetriedaten ergab, dass für den Sendeausfall kein Kurzschluss oder Leitungsbruch verantwortlich war. Alles deutet darauf hin, dass kein Zusammenhang mit dem Ballonplatzen bestand, sondern eine Überhitzung des Sendemoduls vorlag. Der anschließende Fall der Telemetriebox sorgte für zusätzlichen “Durchzug”, sodass nach der Abkühlung der Sendebetrieb wieder aufgenommen wurde.

In Marpingen wurde weiter über den Erfolg der Ballonmission diskutiert und die spannenden Augenblicke dieses Experiments analysiert. Die Ballonjäger kamen spät in der Nacht mit der wertvollen Nutzlast zu Hause an. Die Ergebnisse dieser Unternehmung wird der OV IIlingen auf der AMTEC am 30.11. am AATiS-Stand präsentieren. Schauen Sie vorbei und blicken aus 11 km Höhe auf den Rhein bei Bingen!

Thema: ILLINGEN I (01.11.2003) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr

Mission in 30 000m Höhe

Samstag, 16. Mai 2009 21:34

Bericht aus dem Saar-Rundspruch 44/2003


Start des Stratosphärenballons DF0AIS mit Amateurfunknutzlast


Die Mädchen und Jungen des Illinger Ortsverbands Q13 im Deutschen Amateur-Radio-Club planten zusammen mit dem Arbeitskreis Amateurfunk und Telekommunikation in der Schule (AATiS) für Samstag, den 01.11., den Start eines Stratosphärenballons mit einer Amateurfunknutzlast. Gestartet wurde um 10:35 Uhr nachdem die DFS (Deutsche Flugsicherung) ihre Erlaubnis für den Start gegeben hatte. Startort war das Clubgelände des Ortsverbands Illingen, Q13, auf dem Weinhausköpfchen, in der Marpinger Rheinstraße.

Der Ballon wurde auf 2 m Durchmesser befüllt, was dann in 30 km Höhe einen Durchmesser von ca. 12 m bedeutet, die Befüllung dauerte ca. 40 Minuten. An dem mit Helium gefüllten Wetterballon wurden meteorologische Sonden, ein GPS-Navigationssystem und ein Amateurfunkfernsehsender innerhalb von vier Stunden auf eine Höhe von 31.000 m gebracht, wo der Ballon schließlich zerplatzte.

Während der gesamten Ballonmission wurden ständig Daten wie Position, Locator, Flughöhe, Flugrichtung, Geschwindigkeit, Außen- und Innentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Batteriespannung und ein Livebild der eingebauten Kamera via Amateurfunkfernsehen zur Empfangsstation auf das Weinhausköpfchen gefunkt.

Die letzten ATV-Bilder zeigten den Überflug über den Rhein und dann über den Taunus aus 11.000 m Höhe. Dann fiel die Kamera wegen zu geringer Spannung aus. Nach ca.15 Minuten schaltete sich dann auch die Rufzeicheneinblendung und der ATV-Sender aus, da die Batteriekapazität vollkommen erschöpft war. Bis dahin lief alles perfekt nach Zeitplan.

Dann wurde es spannend. Auf dem Weinhausköpfchen befürchtete man ein Desaster. Ausfall des 2-m-Telemetrie-Sender kurz vor der Landung. Aber nach wenigen Minuten wurde das Signal noch mal empfangen. Glücklicherweise sendete der 2-m-Telemetrie-Sender noch mal als die Sinkphase des Ballons begann. Dem Bergungsteam erleichterte dies die Auffindung der Nutzlast. Es wird vermutet, dass der Spannungsregler des Senders wegen Überhitzung abgeschaltete, dann beim Sinkflug stärker abkühlte und wieder einschaltete.

Mittels APRS (Automatic-Position-Reportingsystem) konnte der Stratosphärenballon stets genau lokalisiert werden. Der Ballon landete um 15:40 Uhr in Mülverstedt zwischen Mühlhausen und Gera in Thüringen und hatte eine Flugstrecke von mehr als 300 km zurückgelegt. Das Bergungsteam mit Toni, DF8UZ, konnte dann nach kurzer Zeit den Ballon und die Nutzlast auffinden und bergen.

Die Leitstation DLØOI auf dem Weinhausköpfchen stand mit vielen Funkamateuren auf dem Packet-Radio-Converskanal 55 in Kontakt. Dort wurden allgemeine Fragen beantwortet, z.B. zum Gewicht der Nutzlast, der größtmöglichen Steighöhe usw. Gegen Ende der Mission wurden dann Telemetriedaten von Funkamateuren die sich in der Nähe der Flugroute des Ballons befanden übermittelt, da mit geringer werdender Höhe des Ballons der Empfang in Marpingen nicht mehr möglich war.

Dieses Experiment verfolgte das Ziel, den Jugendlichen verschiedene moderne Telekommunikationsverfahren und experimentelles Arbeiten zu vermitteln. Mit der Auswertung der Telemetriedaten, auch der Daten die Funkamateure aus der Schweiz, Luxemburg, Frankreich und Deutschland empfangen und zur Verfügung gestellt haben, wurde schon begonnen.

Thema: ILLINGEN I (01.11.2003) | Kommentare (0) | Autor: do7vlr